Das Kind

Seit dem Morgen des 3.9. kam wahrscheinlich kein Internetnutzer  umhin das Bild von einem toten, angespülten Flüchtlingskind zu sehen. Den ersten Beitrag, den ich dazu las war auf der Facebookseite von HR3, ein Statement, dass sich die Redaktion entschieden habe das Bild nicht zu zeigen. Im Laufe des weiteren Tages erschien das Bild mit zusätzlichen Text bildschirmfüllend auf bild.de

Allein diese beiden konträren Positionen machen deutlich wie umstritten die Veröffentlichung des Bildes ist. Würde mir das Bild für junked zur Verfügung stehen würde ich es aus verschiedenen Gründen nicht zeigen: Ich halte es einfach für unwürdig und unangebracht. In keinem Fall möchte ich in der Haut der Eltern stecken.

Nicht nur Nachrichtenseiten und Andere stellen sich die Frage, ob es richtig ist das Bild zu veröffentlichen. Auch in sozialen Netzwerken sorgt das Bild für Kontroversen: Darf man sowas zeigen? Muss man sowas zeigen?

Warum aber herrscht diese krasse Uneinigkeit?

Die Flüchtlingskrise, deren Folgen und Auswirkungen sind seit einiger Zeit das dominierende Thema. Ob in den Nachrichten, in der Mittagspause oder im Web: Es scheint kaum andere Schlagzeilen im derzeitigen Zeitgeschehen zu geben. Erstaufnahmestellen, sichere Herkunftsländer, Wirtschafts-, Kriegs-, Klimaflüchtlinge und so weiter und so fort. Begriffe prasseln auf uns ein wie Hagelkörner. In einem Boot saßen 80 Flüchtlinge, in einem Kutter 300. Letztens sind 50 Flüchtlinge ertrunken, 70 erstickt, es kommen täglich Tausende in Deutschland an, Abertausende verlassen ihre Heimat. Zahlen prasseln auf uns ein wie Hagelkörner. Die öffentliche Diskussion über die Haltung Deutschlands, die Politik der EU, über Zäune und Abschiebung, die Stammtischparolen und braune Hetze wehen uns um die Ohren wie ein Orkan.

Wir stehen mitten im einen Unwetter aus Informationen und wissen keine Lösung und keinen Ausweg. Es ist wunderschön, dass diese Unsicherheit vieler nicht in Ablehnung sondern unglaubliche Hilfsbereitschaft mündet. Das Bild des toten Kindes mag für einige ein Ausweg sein, eine Bündelung des Dramas und der Tragödie. Ein einfaches Werkzeug um in die Welt zu Brüllen: Seht her! Was hier passiert darf nicht sein!

#refugeeswelcome

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