PEGIDA? Ein Haufen Idioten, den man (so) nicht ernst nehmen sollte.

Aus dem Nichts aufgetaucht wabert seit Wochen das Thema “Pegida” über scheinbar alle Kanäle. Bzw. eher die Berichterstattung über die Bewegung, die Europa vor der vermeintlichen Islamisierung des Abendlandes schützen möchte. Eins ist sicher: PEGIDA ist nichts weiter als ein buntgemischter Haufen frustrierter Typen und irgendwer hat es geschafft, die alle zur gemeinsamen Demonstration zusammen zu Trommeln. Geholfen hat dabei eine gute Portion social-media-Marketing gemischt mit den üblichen Stammtischphrasen (“Das wird man ja noch sagen dürfen”).  All das geschieht unter dem Deckmantel der vermeintlichen Islamisierung. Deshalb wird die Bewegung “islamkritisch”, “islamfeindlich” oder als “Anti-Islam-Bewegung” bezeichnet. Dabei scheinen die Gründe, warum Viele mit den PEGIDA-Leuten mitgehen deutlich mannigfaltiger: Die einen schimpfen über die Lügenpresse, die anderen über weltfremde Politiker, wieder jemand regt sich über zoophile Koranleser auf und dazu gibt noch eine ordentliche Portion Antipathie gegen Asylbewerber. Mein ganz persönlicher Favorit war auch dabei: Ich habe doch wirklich ein Plakat “Stoppt Chemtrails” auf einer PEGIDA-Demo gesehen. Chemtrail-Gegner sind für mich sowas wie das Salz in der Suppe all der Verschwörungstheorien. Klar, es gibt welche die sind noch deutlich absurder, etwa die Annahme, dass die Erde innen hohl ist und über Löcher an den Polen betreten werden kann. Oder die Annahme, das Adolf Hitler noch in Südamerika lebt, weil er am Ende des zweiten Weltkrieges mit einem U-Boot in die Antarktis geflüchtet ist, Neuschwabenland usw.. Aber die Chemtrails sind die Maraschino-Kirsche auf dem Verschwörungscocktail, weil sie sich wirklich hartnäckig bei jeder Menge Menschen halten und auch immer wieder “hochkommen”. Im Endeffekt ist es doch schön, wenn sich ein Demonstrationszug so selbst lächerlich macht! Aber die “Lügenpresse” stellt das natürlich alles falsch dar. Man könnte sagen: Sie muss es verkürzt darstellen und kann nicht jede einzelne verwirrte Meinung in den Demonstrationszügen abbilden. Wie auch, wenn der eine gegen Asylbewerber hetzt, der andere die GEZ-Gebühr am liebsten für die letzten 10 Jahre zurück hätte und wieder irgendwer einen persönlichen Faustkampf mit Angela Merkel herbeisehnt? Das wäre vielleicht eine Sonderbeilage der FAZ wert: “Die verschiedenen Lager der PEGIDA-Bewegung – Eine Übersicht über Alle, die da mitlaufen, deren Ansichten und Meinungen.” Auf ein paar Hundert Seiten könnte man Jeden zu Wort kommen lassen. Dann würde vielleicht sogar den Demonstranten klar, dass sie weder ein gemeinsames Anliegen haben noch eine Stimme, die das eventuell zusammenfassen könnte. Aber jeder glaubt, da marschieren 15.000 Leute gegen den Islam. Danke, ihr Idioten! Könnt ihr nicht vielleicht für jedes Thema eine eigene Demo anmelden? Islam-Hasser am Montag, Pressekritiker am Dienstag, Politikverdrossene am Mittwoch, allgemein verwirrte am Donnerstag und am Freitag dann die Chemtrail-Gegner? Natürlich kann man auch verschiedene Demos besuchen, bei drei pro Woche erhält man ein Plakat umsonst. Pressekritiker und Chemtrail-Gegner dürften sich gut verstehen. In den geraden Wochen des Jahres Montags, in den ungeraden Mittwoch? Die Demonstrationszüge wären dann deutlich kleiner und niemand würde euch ernst nehmen, in etwa die Größendimension der Stuttgart21-Demos wäre passend. Das wäre per se schon mal gut und würde auch eher die Realität abbilden.

Meines Erachtens hat die ganze PEGIDA-Bewegung viele Elemente, die man auch zu einer Verschwörungstheorie packen könnte. Kurzum: Die eigene Meinung stimmt! In diesem Fall: Die Islamisierung Europas. Dass man das ganz leicht mit Zahlen widerlegen kann, interessiert nicht. Denn: Diese Zahlen stammen von der Lügenpresse! Untersuchungen, die das Gegenteil der behaupteten Meinung beweisen oder zumindest stützen: Gefälscht, gekaufte Wissenschaftler, gesteuert durch die USA. Wie will man mit solchen Leuten diskutieren? Zumal die Leute ja durchaus unterschiedliche Beweggründe die Leute auf die Demonstrationen treibt. Ich glaube nicht, dass eine wirkliche Diskussion etwa zwischen Politik und PEGIDA-Anhängern nötig ist. Die Bewegung ist viel zu unterschiedlich und wird sich bald in Wohlgefallen auflösen, zu viele Köche verderben den Brei und bei PEGIDA sind es viel zu viele Köche. Initial die Menschen auf die Straße bekommen hat gut geklappt, aber nachhaltig sinnvoll eine neue (politische?) Bewegung in Deutschland etablieren wird nicht funktionieren, viel zu viele Splittergruppen.

So wirklich setzt man sich auch nicht mit der Bewegung auseinander. In der Berichterstattung wird mal wieder viel zu schnell die Nazi-Keule geschwungen. Es ist auch herrlich einfach: Kritik an Ausländern? Nazi! Kritik an Einwanderung oder Flüchtlingen? Nazi! Glatze? Nazi! Schwarze Klamotten? Nazi! Schwarze Klamotten und Glatze? DOPPELTNAZI! Ja, Schubladendenken macht es eben einfach. Und es ist echt ermüdend langweilig: “Alles Nazis!” und schon hat man die gesamte Bewegung herabgestuft und niemand muss sich damit auseinandersetzen. Man braucht nicht mit ihnen reden (mit Nazis diskutiert man nicht!) und kann sie eigentlich beleidigen wie man möchte. Nicht nur, dass die Nazi-Keule das einfachste Mittel ist um jemanden abzustempeln bin ich fest davon überzeugt, dass man einen eventuellen Dialog nicht fördert, wenn man Menschen so plump in eine Ecke stellt. Denn es sind sicher nicht alle Nazis auf den Demonstrationen und selbst wenn man einen normalen Idioten als Nazi tituliert dürfte das die eigene Verhandlungsposition nicht gerade stärken.

Aber was tun? Die gesamte Bewegung lässt sich nicht mit Argumenten einfangen. Aber die Gründe für diese Bewegung lassen sich vielleicht bekämpfen: Politikverdrossenheit würde ich es nennen. Die Menschen fühlen sich von der Politik im Stich gelassen, die “da oben” und “wir hier unten”. Es ist eine schwierige Aufgabe der Politik und Gesellschaft diese Mitbürger soweit zu bringen, dass deren Enttäuschung nicht dazu führt sich jedem x-beliebigen Demonstrationszug anzuschließen, der vielleicht für eine ganz andere Sache kämpft aber man eben keine andere Möglichkeit sieht seine Meinung kund zu tun. Noch schwieriger ist es Politikverdrossenheit und Enttäuschung überhaupt garnicht erst aufkommen zu lassen. Aber einfacher ist natürlich die Nazikeule. Das wird man ja noch sagen dürfen.

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