NEIN! Ich will keinen Hund!

“Haben Sie da nicht noch Zeit für einen Hund?” Ich war wirklich einen Augenblick vor den Kopf gestoßen. “Nein, ganz bestimmt nicht.” sagte ich und wendete mich kopfschüttelnd ab. Was war passiert? Ein Verwandter einer (guten) Bekannten hat es sich zur Aufgabe gemacht Hunde aus Spanien nach Deutschland zu holen und hier zu vermitteln. Soweit so gut und ehrenvoll. Nun bin ich selbst mit Hunden aufgewachsen und kenne einige Hundehalter, was mich zunehmende kritisch auf solche Aktionen blicken lässt. Nicht zuletzt Meldungen wie diese deuten daraufhin, dass an manchen Stellen der Bogen überspannt wird, helfen um jeden Preis. Immer, wenn auf Facebook eine Meldung ins Gesicht springt “Hasso sitzt in der Tötung, wer kann helfen?” frage ich mich: Ist das wirklich die Art und Weise mit der man lebende Tiere vermitteln sollte? Hunde haben genauso wie andere Haustiere Bedürfnisse und müssen artgerecht gehalten werden. Das lässt sich über Facebook sicher nicht überprüfen. Und ich kann sicher einen Hund nicht artgerecht halten, wenn ich mich in meiner zwei Zimmer-Wohnung umschaue und mich erinnere, wie mein Bruder und ich den Hund in den heimischen Feldern jeden Tag nach der Schule ausgeführt haben, nachdem mein Vater morgens und anschließend noch jemand den Vierbeiner am Abend ausführte. Spätestens seit dem Ukraine-Hunde-Hype sollte man mit Meldungen der Mitleidstour vorsichtig umgehen. Wer garantiert eigentlich, dass der Text zum Bild stimmt? Ist es nicht vielmehr wahrscheinlich, dass übereifrige Tierschützer die Wahrheit im Netz genauso dehnen, wie oben verlinkte Tierschützerin die Transportbedingungen der Vierbeiner? Für den guten Zweck?

Außerdem erinnere ich mich an eine sehr eingängige Geschichte aus einem Taxi in Griechenland: Der Taxifahrer erzählte von zwei amerikanischen Touristinnen, die er beförderte. Diese fragten ihm nach einem Tierheim, es würden so viele Katzen herumstreunen und manchen ginge es nicht so gut. “Tierheim?” muss er geantwortet haben. “Wir haben hier kein Tierheim, wir haben andere Probleme. Ich muss Geld aufbringen, damit meine Kinder Schulbücher haben, wir sind froh, wenn unsere Ärzte gut ausgestattet sind. Da können wir uns kein Tierheim leisten.” (Ich lege meine Hand dafür ins Feuer: Der Taxifahrer hat die Geschichte so erzählt!) Das war vor ca. 6 Jahren und mittlerweile kann man feststellen: Ja, Griechenland hat größere Probleme als streunende Katzen und  Hunde!

Aber was kann man daraus lernen? Wir haben offenbar in good old germany zu wenig Probleme! Wir sitzen gesund und munter, gesättigt und gebildet in der warmen Wohnung vor unserem 700 Zoll LED-3D-TV auf einer x-Euro Ledercouch und haben einfach kein Problem. Aber die Welt ist nur einen Klick entfernt, das Leid aus der ganzen Welt kann binnen weniger Sekunden auf den Bildschirm geholt werden. Und was lässt da das Herz mehr weinen als ein drollig drein blickender Hund noch dazu mit einen schweren Schicksal? Und siehe da: Nur ein Klick auf “teilen” und man kann sich beruhigt zurücklehnen: Man hat ja was unternommen gegen das Leid des Vierbeiners. Ähnlich der Benzinpreisdebatte: Nein, ein Klick bei Facebook hat noch keinem Hund das Leben geschenkt und keinen Liter Sprit billiger. Die Zahl der über Facebook vermittelten Hunde  hält sich auch sicher in Grenzen. Wenn ich einen Hund suche, schaue ich nicht auf Facebook und ich werde auch nicht beim Eintrag des leidenden Hassos denken “Hey, ein Hund aus Spanien, der fehlt mir noch! Ich glaube, ich hole mir Einen!”.

Was kostet es eigentlich einen Hund ordnngsgemäß aus Spanen zu importieren? Ich weiß es nicht, aber der Gedanke sei erlaubt: Wäre es nicht sinnvoller die Zeit und das Geld dafür zu verwenden, dass Leid vor Ort zu mindern? Die Hunde zu kastrieren, dass die zügellose Vermehrung eingedämmt wird?

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