Mein Name ist Bahn: Generationskonflikt in der S-Bahn-Wirklichkeit (Teil 3)

Willkommen zu einer weiteren Episode des Pendlerwahnsinns, diesmal allerdings gefangen im harten Alltag  der Schnellbahnwirklichkeit.

Wie eingangs erwähnt saß ich diesmal in einer S-Bahn allerdings nicht morgens verschlafen und müde, sondern diesmal auf dem Rückweg von der Arbeit nach Wiesbaden müde und genervt vom Ausritt als Bürohengst an diesem Tag.

Ich betrat später als normal und später als die breite Masse der Nine-Fiver-Schlipswichser die S-Bahn, erstmal auf den Weg in die Innenstadt von Frankfurt am Main. Ich wollte meine Ruhe haben bis ich im Frankfurter Hauptbahnhof umsteigen musste und setzte mich als zweite Person in ein Vierer-Abteil. Die S-Bahn war insgesamt nicht sehr voll, es hatte den Anschein als seien die meisten Pendler bereits zu Hause, demnach waren die Abteile erneut max. mit zwei Leuten gleichzeitig besetzt.

Eine Station später stieg eine alte Dame in die S-Bahn zu, sie kam zu meiner Sitzgruppe: “Sie sitzen auf meinem Platz!” meinte sie resolut. Ich dachte mir das kann doch jetzt nicht wahr sein, aber ich wollte meine Ruhe und setzte mich einfach in die Vierer-Gruppe gegenüber, in der ebenfalls nur eine Person bis dahin saß und kommentierte die fragwürdige Aktion nicht weiter. Die alte Dame, die wie sich heraus stellen sollte nun wirklich keine Dame war, kommentierte meinen Umzug und wo ich vorher gesessen habe entsprechend: “Das ist mein Platz, eine Frechheit sich auf meinen Behindertenplatz zu setzen. Ich bin schließlich nicht mehr die jüngste und der ist ja auch entsprechend gekennzeichnet.” Ich verdrehte die Augen und auch die beiden anderen Mitreisenden, der in meiner neuen Sitzgruppe sowie der eine Herr in ihrer Sitzgruppe, schauten mal auf aber keiner sagte etwas.

Aufmerksamkeitshaschend oder bestätigungssuchend sprach sie direkt den Herrn an, der ihr gegenüber saß: “Da könnte ja jeder kommen und machen was er will hier, oder, ist schließlich ein Behindertenplatz?” Ich verdrehte erneut genervt die Augen als mir die Antwort des Herrn im mittleren Alter entsprechend gefiehl: “Gute Frau, Sie haben hier keinen Anspruch auf einen bestimmten Platz und der Mann hat Sie kommentarlos sich auf diesen Platz setzen lassen, was wollen Sie denn noch?” “Ja aber das ist ein Behindertenplatz und…” “Jetzt ist es gut, Sie haben Ihren Platz und somit  braucht auch nichts weiter diskutiert werden.” unterbrach ihr Sitzgruppennachbar die alte Frau genervt.

Normalerweise hätten wir unsere Zugfahrt ohne weiteren Zwischenfall bestreiten können, sofern ich nicht mobil angerufen worden wäre. Ich ging an mein Telefon: “Ja? Hi Marc, sorry, ich bin noch im Zug und steige aber gleich aus am Hauptbahnhof, ich rufe dich dann noch mal zurück.” Marc hatte damit kein Problem, daher meinte ich noch, ” Ok, bis gleich” und legte auf.

Dieses keine 30 Sekunden dauernde Gespräch war erneuter Anstoß sich über mich auszulassen und daher meinte die alte Frau erneut: “Typisch, die jungen Leute von heute, überall telefonieren wo man geht und steht, keinen Anstand mehr, also sowas!” Ehe irgend jemand anderes etwas sagen konnte meinte der Herr in ihrer Sitzgruppe von der vorangegangen Konversation daraufhin: “Die einzige Person die keinen Anstand besitz sind Sie, sonst niemand! Erst beschweren Sie sich ohne Grund darüber das angeblich ihr Platz besetzt wäre, obwohl Sie auf den anderen nicht gekennzeichneten Plätzen genauso gut sitzen könnten, bekommen diesen Platz auf den Sie keinen Anspruch haben dennoch ohne Murren und können es nicht gut sein lassen. Nun beschweren Sie sich darüber das der Herr kurz telefoniert hat. Er hat sein Handy lautlos, hier weder im Abteil rumgeschriehen noch uns dazu verdonnert 20 Minuten einem Gespräch beiwohnen zu müssen oder so. Sie sollten sich was schämen!” Der Mann aus meinem Abteil der zum Gang hin beiden gegenüber saß pflichtete dem anderen Herrn bei: “Genau, tun Sie uns bitte allen einen Gefallen und halten Sie wenigstens mit Anstand den Rest der Fahrt Ihren Mund.”

Die Frau wusste sich entweder nicht mehr zu helfen oder traute sich nicht weiter zu lamentieren und entgegnete kein Wort mehr. Ich war erleichtert durch die Courage meiner Mitreisenden, denn ich habe ja auch schon anderes erlebt und war dennoch froh, wie ich am Hauptbahnhof aussteigen konnte.

Und dann soll man Respekt vorm Alter haben, dachte ich mir wieder, denn mit die respektlosesten Mitbürger sind leider oftmals die Mitmenschen im Alter 65+!

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